Die Sage vom Thommener Männchen
Die folgenden Vorgänge gehören zum Sagenschatz unseres Dorfes und werden von guten Erzählern mit köstlichen Zutaten
belegt.
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Auf der Höhe zwischen Darscheid und Schönbach liegt der Thommener Wald. Mitten im Wald erhebt sich aus dem Tonschieferboden
ein 16 m hoher Vulkankegel, ein markanter, sagenumrankter Hügel. Es ist das Thommener Käppchen, wo das "Thummer Männche
spokt".
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Wenn in den Dörfern um Thommen "de Schrußmotta" nicht mehr Herr über "de Kunner" wird, mahnt sie mit drohendem Zeigefinger:
"Paßt ob, ett Thummer Männche kitt ech holle!" Die kleinen horchen eine Weile zu, aber es ist ihnen noch nicht bewusst,
dass die Oma ein Fragesteinchen in ihr wundergläubiges Herz geworfen hat.
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Lehrer Faßbinder, der von
1880 - 1883 in Darscheid amtierte, begann die Schulchronik zu schreiben;
dabei berichtete er auch über die Sagen vom "Thummer Männche", und zwar so, wie das Dorf sie ihm erzählt hat.
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Der Weg von Darscheid nach Schönbach führt über den Semersberg in den Thommener Wald. Dort befindet sich eine kleine Kuppe,
das Thommener Käppchen. Hier treibt das Thommener Männchen seinen Spuk. Dieses Männchen soll ein "Hofmann von Steinigen"
gewesen sein, der als Schiedsrichter in einer Grenzstreitigkeit Unrecht geübt hat und deshalb umherwandeln muss.
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Dem sei, wie es wolle. Die folgenden Vorgänge gehören zum Sagenschatz unseres Dorfes. Er stammt aus alten, längst
vergessener Zeit, wird von guten Erzählern mit köstlichen Zutaten belegt und weitergereicht als Stück Seele der Heimat.
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Nach anderer Meinung hat an dieser Stelle ein Galgen gestanden und der hier häufig verübte Spuk soll von den Geistern der
Erhängten verübt werden.
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Ein gewisser Leonard Weber aus Darscheid, der etwa vor 140 Jahren starb, äußerte kurz vor seinem Ableben, dass er auf
Thommen seinen Tod gefunden habe. Als er nämlich des Nachts, von Cochem zurückkehrend, über Thommen gekommen sei, habe
sich ihm daselbst ein Männchen in den Weg gestellt. Nach den vergeblichen Versuchen dem Männchen auszuweichen, wollte er es
fassen und beiseite schieben. Allein in dem Augenblick habe das Männchen ihn gefasst und so in die Seiten gedrückt, dass er
davon sterben müsse.
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Fuhrleute fanden am Käppchen einen langen Klotz im Weg liegen, und die Zugtiere wollten keinen Schritt weitergehen. Sie
mussten umkehren um auf einem anderen Weg vorwärts zu kommen.
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Ein Mann aus Darscheid, welcher mit seinem Ochsengespann an Thommen vorbeikam, vernahm plötzlich einen so starken,
durchdringenden und lang anhaltenden Pfiff, wie ihn weder ein Mensch noch ein Tier vorzubringen vermag. Die sonst so
steifen Ochsen hoben die Schwänze und rannten davon, als sollten sie sich die Hälse zerbrechen. Der Eigentümer
lief hinterher, den Semersberg hinunter und holte sie am Fuß des Berges ein. Dort stand das Gefährt und hatte keinen
Schaden erlitten. Aber oben am "Thummer Käppche" bogen sich die Wacholderbüsche vor Lachen.
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Einem alten Weiblein aus Allscheid, das sich Streulaub zusammengescharrt und damit seine Hotte gefüllt hatte, sprang, als
es am Käppchen vorbeiging, ein Gespenst auf die Hotte. Obwohl es darob sehr erschrocken war und die schwere Last es sehr
bedrückte, versuchte es dennoch weiterzugehen. Nach nur wenigen Schritten sprang der Spuk ab und hinterließ ein närrisches
Gelächter, das langsam im Wald verhallte.
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Das Thommener Männchen erschien auch öfters als dreibeiniger Hase und hüpfte so nahe vor dem Wanderer her, als wollte es
sich fangen lassen, was aber niemals gelang.
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Als Tatsache wird oft angeführt, dass nicht selten, besonders vor hohen Festtagen, im Thommener Wald ein furchterregendes
Geschrei mit wildem heulen und Gerassel vernommen wird. Das ist das Wodesheer, das mit lautschallendem Spektakel durch die
Luft zieht. Der Anführer der wilden Jagd, ein Graf, war zum leidenschaftlichen Jäger geworden. Als er auch am heiligen
Pfingstfest sich anschickte auszureiten, bat ihn seine Frau Gemahlin inständig, den Festtag nicht zu entweihen, aber er
stieß sie zurück. Darauf rief sie ihm unbedacht, jedoch in freudiger Erwartung zu: "Nun, so jage doch bis zum Jünsten
Tag!" - Der Graf kehrte nie wieder zurück. Noch in der selben Nacht hörte man das wilde Gebrüll des wilden Heeres und es
wird jagen bis zum Jüngsten Tag.
Auch in der heutigen Zeit zeigt sich ab und an das Thommener Männchen:
“Der Vorsitzende der Vogelschutzgruppe war mit seiner Ehefrau in einer stürmischen Januarnacht nach einer Feierstunde im
Hause seiner Schwiegereltern auf dem Nachhauseweg. Plötzlich versperrte das Thommener Männchen ihm den Weg. Während seine
Ehefrau ungehindert weitergehen konnte, versuchte er dem Spuk auszuweichen, wechselte von einer Straßenseite auf die
andere. Schon fast zu Hause angekommen, veranlaßte ein schepperndes Geräusch die Ehefrau, sich nach ihrem Manne
umzuschauen. Ihr Mann lag über einer umgeworfenen Mülltonne auf der Straße. Das war bestimmt das Thommener Männchen, und
die Wacholderbüsche bogen sich vor Lachen.”
Im Frühjahr
1939 begannen Männer des Reichsarbeitsdienstes im Thommener Wald eine Flakstellung zu bauen. Am 16.
August trugen sie die Spitze des Thommener Käppchens um 1,20 m ab. Sie stießen auf eine “Setzung” von ortsfremden Steinen
in Faust- und Kopfgröße, die vielleicht einen starken Pfahl zu halten hatten, und fanden untief im Boden einen
Totenschädel, der an der Luft in handgroße Stücke zerbrach. Vermutlich handelte es sich hierbei um Funde der Reste der
Gerichtsstätte Thommen.
Die Fundstücke des Totenschädels wurden durch das Rheinische Landesmuseum abgeholt. Der Schule in Darscheid wurde
versprochen, ein Foto des zusammengesetzten Schädels zu schicken. Leider ist es nie dazu gekommen, da die Knochenstücke bei
einem Bombenangriff verloren gingen.
Das war ganz bestimmt das Thommener Männchen!
Quellenangaben:
Hans Mülhaus - Darscheid, ein Heimatbuch