Das Notkreuz im Rudebuhr-Wald,
Gedenkkreuz der Notjahre in Darscheid 1944 - 1945
Das hochragende Notkreuz, von Rektor H. Pfalz
1945 aufgestellt, ist ein Zeichen des Dankes für den Schutz vor
Fliegerangriffen, den viele Darscheider hier suchten und fanden.
Nach erfolgreicher Ardennenoffensive der Alliierten und
Rückzug der deutschen Wehrmacht hatte sich mit Fliegerangriffen auf industriefreie Städtchen und Bauerndörfer die
Kampffront des Krieges ab Mitte
1944 auch in unsere Heimat verlagert.
Am
19. Juli 1944 erlebte Daun seinen schrecklichsten Angriff, und sofort fielen die Bomben. Es heulte und donnerte ein Inferno auf eine friedliche Stadt, ein
weit sichtbarer schwarzer Rauchpilz stieg über den Trümmern hoch in die Luft. Riesige Bombentrichter hatten die Häuser
verschlungen. Daun war hart getroffen: 59 Tote, zu denen auch Hedwig Rach aus Darscheid zählte, und 120 Verletzte waren
das Opfer eines kurzen, grausigen Überfalls.
Nach dem Großangriff auf Daun ließ der Krieg aus der Luft die Bevölkerung
nicht mehr zur Ruhe kommen. Ab dem
17.12.1944 lag Darscheid wochenlang jede Nacht unter Bordwaffenbeschuss. Vom
Weihnachtstag 1944 bis 02. Januar des folgenden Jahres erlebte der Ort 15 Sprengbombenabwürfe im Dorfbereich und 14
außerhalb zwischen Darscheid und Hörscheid, die wahrscheinlich für die Bahnlinie gedacht waren. Der Angriff am 02. Januar,
der durch die sogenannten “Christbäume” über Darscheid vorauszusehen war, hatte große Panik im Dorf ausgelöst.
Diese bedrängnisvolle Zeit veranlasste viele Darscheider, sich ein Versteck im Rudebuhr-Wald einzurichten. Etwa 20 - 30
Hütten waren im Wald verstreut erbaut, die an klaren Wintertagen alten Männern, Frauen und Kleinkindern als Unterkunft
dienten, während die Daheimgebliebenen das Vieh und das Haus versorgten, denn der Raum in der kleinen Hütte war sehr
begrenzt. Diese einfachen Holzhütten waren doppelwandig erbaut,
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die Zwischenwände mit Reisig und Stroh verfüllt. Die
spärliche Inneneinrichtung erlaubte nur einen kurzen Aufenthalt: ein Ofen gegen die Kälte, ein Bett, in dem notfalls die
Kinder schlafen konnten und ein Tisch mit ein paar Stühlen. Einige Lebensmittel, vornehmlich Brot und Butter, wurden,
sofern genügend Zeit zum Aufbrechen geblieben war, mitgenommen.
Gern hielt man sich dort nicht auf. Der Winter war kalt, ein Heizen nur mit nassem Holz aus dem Wald möglich. Dies
bedeutete aber auch, dass die angreifenden Flugverbände das Versteck ausmachen konnten. Verzichtete man aus diesem Grund
auf das Heizen, froren alle. Gleichzeitig quälten die Angst und Not um das Schicksal der Daheimgebliebenen. - Waren alle
unverletzt? Hatten Bomben das Anwesen getroffen? Erst wenn die Fliegerangriffe vorüber waren, kehrten die Menschen ins Dorf
zurück. An diesigen, nebligen Tagen waren die Dorfbewohner vor neuen Angriffen sicher, und alle hätten sich gewünscht, dass
es nur solche Tage gegeben hätte.
Im Mai
2000 restaurierte Schreinermeister Ottmar Kremer im Auftrage von Frau Dr. Pfalz, der Tochter des Errichters,
das Kreuz. Die Gestaltung des Platzes übernahmen die Vogelschutzgruppe und der Heimat- und Verkehrsverein Darscheid in
Gemeinschaftsarbeit. Neue Ruhebänke laden zum Ausruhen ein, Eiben, eine Eifeler Baumart, runden das Gesamtbild ab.
Das Notkreuz soll die Nachwelt an die Schrecken des Krieges erinnern und aufrufen, alles zu tun, was den Frieden
erhält.
Quellenangaben:
Karin Müller und Ilse Schleuning